Vertreter des bundesweiten Förderprojektes Land(auf)Schwung waren zu Gast in Kronach zum Erfahrungsaustausch. Höhepunkt war eine Exkursion in die Arnikastadt Teuschnitz.

Beim Netzwerk aus der Stadt Teuschnitz, dem Regionalmanagement, dem Stadtumbaumanagement, der ARGE Schwarzes Kreuz und dem BMEL laufen viele Fäden zusammen (auf der Bank v.l. Florian Kirfel, Gabriele Weber, Christine Bauer, Bettina Seliger, Oliver Plewa. Hintere Reihe v.l. Prof. Markus Schlempp, Willi Fehn, Susanne Faller)

Selbst in einem hochentwickelten Land wie Deutschland gibt es strukturschwache Gegenden. Gemeinsame Kennzeichen: Demografischer Wandel, fehlende Arbeitsplätze, Abwanderung. Dabei gibt es gute Gründe, sich für ein Leben auf dem Land zu entscheiden. Wenn die Rahmenbedingungen attraktiv sind, dann kommen auch die Menschen zurück, so das Kalkül von Initiativen wie dem bundesweiten Förderprogramm Land(auf)Schwung. Seit 2015 kommen 13 ausgewählte Regionen in den Genuss von Regionalbudgets, die das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) zur Verfügung stellt. Die Fördermitteln dienen als „Experimentierfeld zur Erprobung neuer Lösungswege“ in Zielrichtung regionale Wertschöpfung und Daseinsvorsorge.

Kronach wurde als einziger Landkreis in Bayern ausgewählt. Unter der Leitung des Regionalmanagements des Landratsamts wurden bereits einige Projekte unterstützt: das Nordhalben Village, das touristische Wohnkonzept "Drinnen bei uns" und die Renovierung des Forsthauses Nordhalben, die Etablierung der Montessori-Oberschule sowie diverse Investitionen in der Arnikastadt Teuschnitz und am Rennsteig.

Zwei Mal im Jahr treffen sich Vertreter der Modellregionen zum Erfahrungsaustausch. „Jede Region kämpft zwar für sich, aber alle haben ähnliche Probleme“, sagt Christine Bauer vom BMEL. Alle haben sich gemeinsam auf den Weg gemacht und nun den Projektabschluss im nächsten Jahr im Visier. Voneinander lernen ist ein wichtiger Bestandteil der regelmäßigen Kommunikation, sei es in den Treffen oder den monatlichen Telefonkonferenzen.

Zum ersten Mal fand ein Netzwerktreffen in Kronach statt. Landrat Klaus Löffler begrüßte die Gäste, die zum Teil sehr weit angereist waren, etwa aus Neunkirchen im Saarland oder dem Landkreis Vorpommern-Rügen. Die Regierungspräsident von Oberfranken, Heidrun Piwernetz, stellte dem Netzwerk höchstpersönlich „ihre“ Region vor. Weil alle Theorie grau ist, lud Regionalmanager Willi Fehn die Gruppe zum Ortstermin nach Teuschnitz ein. „Dort hat man viele Förderprojekte unter einen Hut gebracht und zu einem runden Endprojekt geführt“, erläuterte er. Land(auf)Schwung habe mit seinem Multiförderansatz einen erheblichen Anteil am Erfolg.

Ein interessantes Thema für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die entsprechend interessiert den Schilderungen von Bürgermeisterin Gabriele Weber lauschten, die die Entwicklung von Teuschnitz skizzierte. In den 1970er Jahren hätten die Landwirte ihre Felder brach liegen lassen, weil sie in der lokal ansässigen Industrie im Schichtbetrieb arbeiteten. Als die Arbeitsplätze wegbrachen, war aus der Brache die artenreiche Teuschnitz Aue geworden. In mehreren Stärke-Schwäche-Analysen habe sie sich als Alleinstellungsmerkmal herauskristalliert und Teuschnitz zur neuen Identität als Arnikastadt verholfen.

Vernetzung spielt eine entscheidene Rolle als Erfolgsfaktor, das wurde in den Ausführungen deutlich: nicht nur die von einzelnen Themen zu einem Gesamtkonzept, sondern auch das Zusammenspiel von Stadt und Staat, von kommunalen, regionalen und überregionalen Behörden und den beteiligten Menschen. Auch wenn die vielen Abstimmungsprozesse den Eindruck langsam mahlender Mühlen erweckten: „Das disziplinierte Arbeiten, das die Städtebauförderung vorgibt, ist wichtig!“, sagte Stadtumbaumanagerin Bettina Seliger, denn erst die intensive Beschäftigung führe zu erfolgereichen Konzepten. Mit der Arnika habe man in Teuschnitz einen roten Faden gefunden, mit der Arnika-Akademie ein gelungenes Initialprojekt, gefolgt von den weiteren Stadtumbaumaßnahmen.

Demnächst wird das „Sahnehäubchen“ in Angriff genommen, wie es Willi Fehn ausdrückt. In wenigen Wochen beginnt der Umbau der ehemaligen Gastwirtschaft Schwarzes Kreuz zu den Arnika-Arkaden. Prof. Markus Schlempp von der ARGE Schwarzes Kreuz erläuterte den Besuchern die Überlegungen bei der Machbarkeitsstudie und als Ergebnis das Modell des neuen Ensembles, mit dem der Altstadtkern von Teuschnitz in „einem großen Schwung“ über den Schlossplatz mit der Arnika-Akademie gekoppelt wird. Neben Übernachtungsmöglichkeiten soll es einen Seminarraum geben, einen Biergarten, ein Informationszentrum. Dem Ausflug in die noch virtuellen Welt folgte ein Gang durch die sehr realen Baumaßnahmen des aktuellen Stadtumbaus. Über den neuen Spielplatz für Jung und Alt, vorbei am Festplatz mit Jugendtreff ging es zur Arnika-Akademie. „Toll, was hier zu einem schönen Gesamtkonstrukt herausgearbeitet wurde, obwohl Teuschnitz eine vergleichweise kleine Stadt ist“, lobte Ina Klein aus dem Landkreis Neunkirchen.