In der Stadtrats-Sitzung vom Montag stellten die Verantwortlichen der Caritas die Projekte „In der Heimat wohnen“ und „Flexible Altenhilfe - Gemeindeschwestern in Teuschnitz“ vor. Mit den beiden Leuchtturmprojekten verfügt die Stadt über echte Privilegien.

„Gemeindeschwester“ Lena Engelhardt stellte dem Stadtrat das bayernweit einmalige Projekt der flexiblen Altenhilfe vor.

Was verbirgt sich hinter dem „Haus mit der roten Tür“ und was hat es mit den Projekten „In der Heimat wohnen“ und „Flexible Altenhilfe - Gemeindeschwestern in Teuschnitz“ auf sich? Darüber informierten am Montagabend Caritas-Kreisgeschäftsführerin Cornelia Thron, die Vor-Ort-Akteurinnen Janet Januszewski und Lena Engelhardt sowie Claudia Ringhoff, die das Gemeindeschwestern-Modellprojekt wissenschaftlich begleitet, den Teuschnitzer Stadtrat in ebenso umfassender wie anschaulicher Art und Weise.

Thron freute sich, dass der Caritas-Kreisverband bereits seit rund zehn Jahren mit dem Modellprojekt „In der Heimat wohnen“ in Teuschnitz vertreten ist. Seitdem habe sich in dem „Haus mit der roten Tür“ viel getan. Vertreten ist die Caritas auch als Träger der Ganztagesschule an der Teuschnitzer Grundschule; auch die Caritas-Sozialstation Steinwiesen ist teilweise am Rand von Teuschnitz unterwegs. Im vergangenen Jahrzehnt habe man in Teuschnitz Eigenmittel von 255.000 Euro eingebracht, für die keine Refinanzierung erfolgt. „Wir machen das, weil wir das für wichtig empfinden“, betonte sie.

Die alternative Wohnform „In der Heimat wohnen“ sei ein echtes Leuchtturmprojekt; handele es sich hierbei doch um das erste von nunmehr 21 durchgeführten Projekten dieser Art in der Erzdiözese. Erfreulicherweise zeichnete 2019 das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales das sozialräumlich orientierte Wohnkonzept mit dem Innovationspreis „ Zu Hause daheim“ aus. Vorgestellt wurde das Modell für ein selbstbestimmtes Wohnen in der Heimat von Janet Januszewski. Wie diese ausführte, entstanden in Teuschnitz insgesamt acht barrierefreie Sozialwohnungen mit einem Gemeinschaftsraum als Treffpunkt für Bewohner und interessierte Bürger im Quartier. Im Wohnhaus ist ebenfalls ein Büro des Caritas-Stützpunktes „In der Heimat wohnen“ integriert. Das Haus ist aktuell voll belegt. Es sei - so die Sozialpädagogin - eher ein Inklusionswohnen geworden, da beispielsweise alleinerziehende Mütter, teilweise auch mit einem behinderten Kind, darin wohnten. „Es ist eine schöne Gemeinschaft“, stellte sie heraus.

Geprägt wird das Wohnmodell von den vier zentralen Komponenten „Zu Hause leben“, „Jederzeit versorgt“, „Lebendige Nachbarschaft“ und „Akteure vernetzen“. Das Hilfsspektrum reicht von einer Mitfahrzentale über den Lieferservice bis hin zum Servicebüro für Alltagshilfen, während das Beratungsspektrum unter anderem Unterstützung bei Behörden oder Angebote für pflegende Angehörige umfasst. Zudem werden vielfältige Kontakt- und Freizeitmöglichkeiten angeboten. Angesiedelt ist auch eine Wohnberatungsstelle, in der Januszewski - in ihrer Funktion als zertifizierte Wohnberaterin für ältere und behinderte Menschen sowie zertifizierte AAL-Beraterin - mit Rat und Tat zur Seite steht und kostenlose Beratungstermine im häuslichen Umfeld anbietet.

Hausbesuche unternimmt auch Gemeindeschwester Lena Engelhardt. Die Gesundheits- und Krankenpflegerin arbeitet - neben ihrem Dualstudium - 15 Stunden wöchentlich, gemeinsam mit Januszewski, als Gemeindeschwester. Das bayernweit einmalige Projekt „Flexible Altenhilfe – Gemeindeschwestern Teuschnitz“ möchte die lokale pflegerisch-gesundheitliche Versorgung mit einem aufsuchenden Angebot stärken. Für vieles sei in unserem Gesundheits- und Sozialsystem gesorgt, für manches aber auch nicht. Solche Versorgungslücken möchten die Gemeineschwestern schließen. Ihr Angebot richtet sich dabei an ältere Menschen ebenso wie an deren Nachbarn, Freunde oder Kümmerer bzw. pflegende Angehörige. Im Gespräch legt man konkrete Ziele für Verbesserungen fest und entwickelt möglichst passgenaue, individuelle Lösungen - wie Freizeitangebote, Nachbarschaftshilfen, ehrenamtliches Engagement und diverse professionelle Angebote. Die Beratungen sind unverbindlich, neutral und kostenfrei und können nun - nach Lockerung der Corona-Auflagen - wieder stattfinden, im Gemeinschaftsraum von „In der Heimat wohnen“ oder als Hausbesuch.

Die prozessbegleitende Forschung obliegt Claudia Ringhoff über einen Zeitraum von zwei Jahren „plus Corona“. Diese zeigte sich sicher, dass das Projekt zu einem großen Erfolg werden könne, gerade da die nachbarschaftliche Hilfe in Teuschnitz noch sehr gut funktioniere. Die Gesamtauswertung erfolgt als schriftlicher Bericht, wobei es um das Gelingen und damit eine Projekt-Übertragbarkeit in Bayern gehe. „Es soll eine Handreichung als Ideengeber für andere entstehen“, betonte sie.

Stolz auf derartige Leuchtturmprojekte in Teuschnitz zeigte sich Bürgermeister Frank Jakob: „Das ist ein echtes Privileg!“ Auch vom Stadtrat gab es viel Lob. Auf Nachfrage von Hedwig Schnappauf (FL) erklärte Lena Engelhardt, dass sie im Durchschnitt - vor Corona - ein- bis zweimal wöchentlich unterwegs gewesen sei. Oliver See (FW) wollte wissen, ob daraus ein neues Berufsbild entstehen könne. Dies sei, so Ringhoff, Ergebnis ihrer Forschung.

Wohnungen und ein Nurdachhaus
für Teuschnitz Dem Gremium lagen zwei Bauanträge von Sabine Stöhr vor. Dabei handelte es sich zum Einen um den Umbau eines Schulungsraumes zur Wohnung in der Rappoltengrüner Straße 6 in Teuschnitz. In der ehemaligen Fahrschule sollen zwei Wohnungen entstehen, wofür der Stadtrat grünes Licht gab. Ebenfalls das gemeindliche Einverständnis erbat sie für den Umbau eines Wohnhauses zum Mehrfamilienwohnhaus in der Rappoltengrüner Straße 2. Im Friseur-Gebäude sollen fünf Wohnungen zwischen 38 qm und 71 qm entstehen, wobei der Laden im Erdgeschoss bestehen bleibt. Da der Antrag erst am Sitzungstag einging, wird man sich damit in der nächsten Sitzung beschäftigen. Das Einvernehmen erteilt wurde dem Bauantrag von Markus Wachter auf Anbau von Wohnräumen an ein bestehendes Zweifamilienwohnhaus und Terrassenüberdachung im Kronenweg 7 in Wickendorf wie auch - nach kurzer Diskussion - der Bauvoranfrage für das Baugebiet Teuschnitz-Aue von Kerstin Förtsch.

Diese möchte das Grundstück Petrus-Zweidler-Straße 11 mit einem Nurdachhaus bebauen - Ein Haus, das zum großen Teil aus Dach besteht. Die zwei Dachflächen des Satteldachs reichen vom Giebel aus bis zum Erdboden. Das geplante Haus soll eine maximale Größe von 8,5 x 10 m (85 m²) haben. Die Dachneigung liegt bei circa 60°; dürfte nach gültigem Bebauungsplan jedoch nur zwischen 0° und 42° betragen. Für die Realisierung war daher eine Befreiung vom Bebauungsplan notwendig. Geschäftsstellenleiter Sven Schuster hatte bereits beim Landratsamt angefragt, ob dort dem Bauvorhaben die Zustimmung erteilt werden würde. Er erhielt die Auskunft, sollte die Stadt das Einverständnis gewähren, den Entschluss mitzutragen. Im Gremium zeigte man sich dem Bauvorhaben gegenüber offen. „Wir sollten froh sein, wenn wir Bauplätze verkaufen“, appellierte Hedwig Schnappauf (FL). „Der Wohnstil ändert sich halt und Wohnhäuser werden moderner“, meinte Martin Sesselmann (CSU/FWG). 2. Bürgermeisterin Karin Bayer (SPD), Tina Löffler (FW) und Peter Goihl (CSU/FWG) sprachen sich ebenfalls dafür aus, Innovatives zu wagen. Oliver See (FW) gab zu bedenken, dass bei einer jetzigen Zustimmung andere vom Bebauungsplan abweichende Bauvorhaben folgen könnten. Nicht anfreunden mit der „exotischen“ Bauweise konnte sich 3. Bürgermeisterin Susanne Daum (MiM), die „Bauchschmerzen“ äußerte. Man habe sich beim Bebauungsplan Gedanken gemacht. Wo höre man auf mit den Ausnahmen und wie begründe man diese, fragte sie. Bei ihrer Gegenstimme wurde dem Bauvorhaben zugestimmt.

Friedhof Wickendorf und Teuschnitz
Im Friedhof Wickendorf wurde der Bereich der Urnengräber gestaltet. Für die zukünftige Entwicklung und Gestaltung der Urnengräber muss die Ausgestaltung, die Farb- und Materialauswahl festgelegt werden. Zudem sind weitere kleinere Verschönerungs- und Verbesserungsmaßnahmen im Friedhof notwendig. Eine weitere Wasserentnahme wäre wünschenswert. Der Friedhof Teuschnitz unterliegt derzeit einem Veränderungsprozess. „Der Trend geht weg von Erdbestattungen hin zur Urnenbestattung“, verdeutlichte der Bürgermeister, dass dies zukünftig zu leeren Grabplätzen führe und der Friedhof einem „Flickenteppich“ gleiche. Um dieser Entwicklung entgegenzutreten, müsse man sich mit der zukünftigen Ausrichtung und Gestaltung des Friedhofs auseinandersetzen. Das Thema Friedhof Wickendorf wird zur Vorberatung an den Bauausschuss; das Thema Friedhof Teuschnitz an den Bau- und Umweltausschuss verwiesen. In diesem Zusammenhang teilte Jakob auch mit, dass vier große Bäume auf dem Teuschnitzer Friedhof sehr viel Laub abwerfen und die Gräber verschmutzen, was auch bei der Bürgerfragestunde angeprangert worden war. Man will mit den Landschaftsarchitekten „Freiraumpioniere“ eine Lösung beziehungsweise eine geeignetere Bepflanzung finden.

FÖNOP oder ISA für das Projekt Hauptstraße 12
Das Architekturbüro Schöttner aus Wallenfels hat die Entwurfsplanung erstellt und den Zuwendungsantrag zur Revitalisierung des Objekts Hauptstraße 12 erstellt. Mittlerweile war man bei der Regierung um abzuklären, über welche Schiene der Förderantrag laufen soll. Auf deren Anraten solle man den Antrag zunächst über die Förderoffensive Nordostbayern mit einer Förderung von 90 % stellen. Wahrscheinlich seien die Mittel jedoch bereits ausgereizt. Plan B ist die Aufnahme in die Förderinitiative „Innen statt Außen“, ebenfalls - aufgrund der finanziellen Situation der Stadt - mit einer 90 %-Förderung. Hier wäre man - erläuterte Jakob - verpflichtet, vorrangig Leerstände bzw. Baulücken innerorts zu vermarkten, bevor man neue Gebiete ausweise. Ein Zuwendungsantrag wird zunächst über FÖNOP gestellt.

Sachstandsbericht Baumaßnahmen
Der Bürgermeister berichtete von der sehr konstruktiv verlaufenen Klausurtagung mit einem umfassenden Einblick des Stadtrats in aktuelle Großmaßnahmen. Bei den Themen handelte es sich um Projekte, wofür zeitnah Entscheidungen im Gremium anstehen. Da noch zu vielen weiteren Maßnahmen Informationsbedarf besteht, will man eventuell im Herbst eine weitere Klausurtagung nachschieben. Hinsichtlich des bei der Tagung ebenfalls behandelten Umbaus der alten Schule Wickendorf informierte Architekt Oliver See (FW), dass am Tag der Sitzung die Innentreppe herausgerissen worden sei. Es werde nun ein Gerüstturm aufgebaut, damit es mit den Arbeiten im Erdgeschoss weitergeht. Mit dem Stadtrat soll bald ein Orts-Termin zur Abstimmung des Farbkonzepts bzw. Bemusterung der Außenfassade stattfinden.

Bekanntgabe Beschlüsse aus letzter nichtöffentlicher Sitzung:
Die Vergabe für die Belüftungsanlage am Rathaus ging an die Fa. Wärmehaus Schneider aus Stockheim zum Angebot von 11.557,76 Euro; für die Fliesenlegearbeiten Alte Schule Wickendorf an die Fa. Fliesen Bau aus Weißenfels zum Angebot von 19.866,61 Euro. Genehmigt wurden die Nachtragsangebote der Fa. Sell aus Kronach für die Wohnraumlüftung Alte Schule Wickendorf über 1.426,19 Euro und die Heizkörperhalterung über 1.634,47 Euro.

Sonstige Bekanntgaben:
Der Bürgermeister informierte über die Sanierung des Feuerlöschteichs in Rappoltengrün. Durch einen kaputten Schieber des Mönchs war der Damm undicht. Im Rahmen der Neugestaltung der Teuschnitzer Ortsmitte wird auch die Nepomuk-Statue mit gereinigt, der Brunnen an der Sparkasse ausgebessert und das Gefallenendenkmal überarbeitet. Bei der Einmündung zur Schule wird ein Sackgassenschild angebracht, um damit ein Gefahrenpotenzial zu entschärfen. In der Vergangenheit waren des Öfteren ortsunkundige Lkw-Fahrer eine Straße zu früh abgebogen, wodurch beim Rangieren beziehungsweise Rückwärtsfahren auf die Straße gefährliche Situationen entstanden.

Informationen:
In der letzten Sitzung hatte Mario Stingl (SPD) gebeten, die Kosten für eine Geschwindigkeitsmessanlage in Erfahrung zu bringen. Mittlerweile liegen zwei Angebote vor. Man wartet weitere Angebote ab und kommt in der nächsten Sitzung darauf zurück. Hinsichtlich des ebenfalls von Stingl angemahnten klappernden Kanaldeckels in der Reichenbacher Straße wurde zwischenzeitlich Abhilfe geschaffen. Nachdem starke Regenfälle für Samstag angesagt waren, brachte man vorsichtshalber am Steinweg in Wickendorf Abschläge zur Einleitung des Wassers in die Wiese ein. Es handelt sich dabei nicht um eine endgültige Lösung, sondern nur um ein Provisorium.