Die Verwaltungsgemeinschaft (VGem) Teuschnitz besteht seit 40 Jahren. Bei einer kleinen Feierstunde blickten am Freitagabend die Gremien der drei Mitgliedsgemeinden auf vier Jahrzehnte erfolgreiche Zusammenarbeit zurück.

(von links): Bürgermeister Peter Klinger (Tschirn), Bürgermeisterin Gabriele Weber (Teuschnitz), Alt-Landrat Dr. Heinz Köhler und Bürgermeisterin Karin Ritter (Reichenbach) schmökern in dem Buch „Zwischen Grundlagenvertrag und Wiedervereinigung - Die Entwicklung des Landkreises Kronach“.

Die Gemeindegebietsreform führte 1978 die Gemeinden Teuschnitz, Reichenbach und Tschirn zusammen - „Nach unserer Erfahrung hat sich der bayerische Weg bei der Gebietsreform als richtig erwiesen“, bekundete Gemeinschaftsvorsitzende Gabriele Weber (CSU) bei der kleinen Jubiläumsfeier im Arnika-Café Teuschnitz. Hierzu konnte sie - neben den zahlreich anwesenden Stadt- beziehungsweise Gemeinderäten sowie Mitarbeitern der Verwaltung - auch Alt-Landrat Dr. Heinz Köhler begrüßen.

„Eine Gemeinde- beziehungsweise Kreisgebietsreform ist ein schwerer Eingriff in die bestehenden örtlichen Verhältnisse“, zeigte sich die Teuschnitzer Bürgermeisterin sicher. Politiker scheuten sich daher in der Regel vor so einem Schritt, wenngleich manchmal die Notwendigkeit für derartige Reformen bestehe. In Bayern habe eine Gebietsreform in 200 Jahren nur zwei Mal stattgefunden: die Neuregelung der Gemeindeverwaltungen des Grafen Montgelas im Jahr 1808 sowie die Gemeinde- und Landkreisgebietsreform des Freistaates von 1970 bis 1980. „Ziel war und ist es, leistungsfähigere Gemeinden zu bilden, in denen effizientere Arbeit geleistet wird“, erläuterte Weber. In Bayern hatte dies zur Folge, dass aus 7.000 Gemeinden knapp über 2.000 wurden und von 143 Landkreisen lediglich 71 übrig bleiben. Neu war die Einführung der Körperschaft Verwaltungsgemeinschaft, um damit benachbarte Gemeinden unter Aufrechterhaltung des Bestandes der beteiligten Gemeinde zusammenzuschließen. Dabei entstanden 311 Verwaltungsgemeinschaften mit fast 1.000 Mitgliedsgemeinden.

„Auch im Landkreis Kronach war die Gemeindegebietsreform ein großes Politikum, blieben von über 100 Gemeinden nur 18 übrig“, so die Bürgermeisterin weiter. Ein ausgewiesener Experte der Gebietsreform Mitte der 70er Jahre war der frühere Landrat Dr. Heinz Köhler. Auch Bürgermeister Manfred Burger aus Tschirn, der bei der Feier leider nicht anwesend sein konnte, war als Zeitzeuge unmittelbar bei der Entstehung der VGem dabei. Nach vielen Geburtswehen nahmen die neuen Einheitsgemeinden und Verwaltungsgemeinschaften am 1. Januar 1978 die Arbeit auf. Im Gegensatz zu Einheitsgemeinden gab es für Verwaltungsgemeinschaften in verwaltungsrechtlicher Hinsicht erheblichen Mehraufwand. „In der Verwaltungsgemeinschaft Teuschnitz muss die gleiche Arbeit mindestens vier Mal gemacht werden“, verdeutlichte Weber und verwies dabei auf die Betreuung von vier Gemeinden, auf das Erstellen von vier Haushaltsplänen und Kassenabschlüssen sowie auf den Vierfach-Erlass von Satzungen und Verordnungen.

Politisch laufe eine VGem recht gut, da auch kleinere Gemeinden ihre Unabhängigkeit behalten und ihre eigenen Angelegenheiten regeln können. Dies gelte gerade im Frankenwald, wo viele Gemeinden auf eine lange Tradition zurückblicken könnten - so auch Teuschnitz mit der ersten urkundlichen Erwähnung 1187, Reichenbach im Jahr 1190 und Tschirn im Jahr 1276. Auch die Topographie bringe es mit sich, dass die Gemeinden nicht wie im Flachland irgendwann zusammenwüchsen, sondern meist über Berg und Tal getrennt seien.

„Eine Verwaltungsgemeinschaft funktioniert - wie auch eine Großgemeinde - so gut, wie die Bürgermeister zusammenarbeiten, wie das Verhältnis der Mitgliedsgemeinden zueinander ist und wie die Verwaltung alle Gemeinden betreut“, betonte sie. Auch in Einheitsgemeinden könne es rumoren, wenn diese Voraussetzungen fehlten. In der VGem Teuschnitz habe immer ein gutes Miteinander geherrscht und nur die Frage nach dem VGem-Vorsitzenden sei - politisch bedingt - unterschiedlich gesehen worden. In den 40 Jahren wurde die VGem von 1978 bis 1984 von Hermann Körner aus Teuschnitz geleitet, 1984 bis 1996 von Manfred Burger aus Tschirn, 1996 bis 2002 von Wolfgang Förtsch aus Teuschnitz sowie seit 2002 von Gabriele Weber aus Teuschnitz. Zwei Geschäftsstellenleiter waren für die VGem zuständig. „Wir haben ein supergutes Miteinander. Unsere Räte arbeiten zielorientiert zusammen und entscheiden neutral. Das ist das wichtigste“, bekundete sie.

Dr. Heinz Köhler plaudert aus dem Nähkästchen
Alt-Landrat Dr. Heinz Köhler verhehlte nicht, dass die Einigung im Landkreis Kronach ein schwieriger Prozess gewesen sei. Von den 96 selbstständigen Gemeinden blieben 18 übrig. „Der Landkreis Kronach war vor der Gebietsreform mit rund 80.000 Einwohnern der viertgrößte Landkreis in Bayern, danach einer der kleineren“, verdeutlichte er. Da die Bürgermeister nicht sehr begeistert von den Plänen gewesen seien, sei sein Vorgänger, Landrat Edgar Emmert, sehr zögerlich gewesen. Als er selbst 1972 zum Landrat geworden sei, habe er mit der Umsetzung begonnen. Die Vorgabe des damaligen Innenministers Bruno Merk, dass eine Gemeinde mindestens 5.000 Einwohner umfassen müsse, sei im Landkreis nur äußerst schwer umsetzbar gewesen. Erste Überlegungen sahen beispielsweise eine Zuordnung von Steinbach am Wald nach Ludwigsstadt, Windheim, Kehlbach und Buchbach nach Tettau oder auch Teuschnitz nach Pressig vor.

„Dieses Konzept stieß überall auf Ablehnung“, blickte er zurück. Das danach erarbeitete Konzept sei schließlich größtenteils verwirklicht worden; aber er habe es allerorts verteidigen müssen. Erheblichen Widerstand habe es insbesondere beim Zusammenschluss Windheim und Steinbach sowie Steinberg und Wilhelmsthal gegeben. „Ich habe insgesamt an über 50 Bürgerversammlungen teilgenommen. Das ging fast jeden Tag so - bis in die Puppen“, erinnerte er sich. Die Gegenargumente reichten teilweise zurück bis zum 30-jährigen Krieg und dass eine Gemeinde irgendwann einer anderen Gemeinde Wald abgenommen habe, dass die Bevölkerung die „andere“ Konfession habe usw. „Heute geht es glücklicherweise zwischen den Ortschaften alles viel friedlicher zu“, freute er sich.

Teuschnitz habe er unbedingt erhalten wollen, da es sich dabei um ein altes Bezirksamt gehandelt habe. Zudem habe die Schule bereits im Rohbau gestanden. Daher schlug er die Einheitsgemeinde vor, dessen Umsetzung ebenfalls nicht einfach gewesen sei. Steinbach am Wald habe damals Probleme mit Windheim gehabt, weswegen man sich um Haßlach bemüht habe. Bezüglich Tschirn habe es Bestrebungen von Wilhelmsthaler Seite aus gegeben, zumal Friesen nach Kronach gewollt habe. Überhaupt sei damals einheitlicher Tenor gewesen: „Lieber in Teufels Nooma runter als in Gotts Nooma nauf“. Eine entscheidende Rolle für die Umsetzung habe der Tschirner Altbürgermeister Manfred Burger gespielt. Der Anschluss von Reichenbach habe Sinn gemacht, wenngleich die Gemeinde damals nicht begeistert gewesen sei. Erinnerungen an die damalige Zeit hat er auch in seinem Buch „Zwischen Grundlagenvertrag und Wiedervereinigung - Die Entwicklung des Landkreises Kronach“ niedergeschrieben.

Stellvertretender Gemeinschaftsvorsitzender Peter Klinger (CSU) dankte - auch namens Reichenbachs Bürgermeisterin Karin Ritter (SPD) sowie aller Stadt- beziehungsweise Gemeinderäte - Weber und der Verwaltung für das gute Miteinander. Für Lacher sorgte sein von ihm wiedergegebenes Zitat, nachdem die nächste Gemeindegebietsreform erst dann komme, wenn keiner mehr lebe, der die erste mitgemacht habe. Auch aus diesem Grund wünschte er Dr. Köhler ein sehr langes Leben. Dem offiziellen Teil schloss sich ein gemeinsames Abendessen in geselliger Runde an.