Der Naturpark Frankenwald e. V. und die Stadt Teuschnitz haben in den letzten beiden Jahren den Naturrundweg in der Teuschnitz-Aue komplett überarbeitet und neu gestaltet. Am Dienstag wurde der Wander- und Lehrpfad öffentlich vorgestellt.

Die fiedrigen, nadelartigen Blättchen des Bärwurz verfügen über einen sehr würzigen Duft.

Die Gebietsbetreuerin des Naturparks Frankenwald, Beate Singhartinger (links), stellte den Lehr- und Wanderpfad anhand von Infotafeln und des Begleithefts vor.

Mithilfe von QR-Codes am Wegesrand erhalten die Besucher interessante Erläuterungen zu Natur und Landschaft, so - wie hier im Bild - Anja Wunder vom Naturpark Frankenwald.

Janina Klug auf Braunkehlchen-Suche.

Die steingewordene Arnikablüte wurde mit den Teilnehmern am Workcamp des Jugendgemeinschaftsdienstes 2008 gebaut.

Sitz-/Kletter-/Balancier-Gelegenheit

Stattliche Ameisenhügel am Wegesrand zeugen von einer schonenden Pflege der Raine.

Ein strahlend schöner Frühlingstag, Sonnenschein, singende und zwitschernde Vögel, blühende Bäume, Sträucher und Blumen - Er ist schon ein herrliches Stückchen Erde, das sich dem Wanderer auf dem Naturweg in der Teuschnitz-Aue bietet. Angelegt mit etwa 3,5 km Länge, verläuft er auf geschotterten Feldwegen, aber auch über Wiesenpfade, kleine Treppen und Stege sowie in unebenem Gelände. Mithilfe von wenigen Informationstafeln, QR-Codes am Wegesrand und einem Begleitheft erhalten die Besucher interessante Erläuterungen zu Natur und Landschaft. Startpunkt ist der Wanderparkplatz am alten Sportplatz in Teuschnitz in Richtung Reichenbach, gekennzeichnet an der Straße mit einem Hinweisschild „Ausgangspunkt Wanderbares Deutschland“.

„Der Weg führt als Rundweg vorbei an charakteristischen Landschaftsbestandteilen - wie den Weideflächen für die Rinder des Projekts „Frankenwald-Weiderind“ und anderen Naturschönheiten“, informierte die Gebietsbetreuerin des Naturparks Frankenwald, Beate Singhartinger, als sie am Dienstagvormittag mit dem Teuschnitzer Bürgermeister Frank Jakob, dessen Amtsvorgängerin Gabriele Weber und weiteren Verantwortlichen den neuen Lehr- und Wanderpfad vorstellte. Um in Zukunft das rund 60 Hektar umfassende Landschaftschutzgebiet für Besucher aller Altersklassen erlebbarer zu machen, hatte man den Weg bereits 1999 als Lehrpfad eingerichtet. Seitdem erfreut er sich großer Beliebtheit. Inzwischen sind Wegemarkierung und Beschilderung erneuert und die Wegeführung leicht verändert worden. „Dies schützt sensible Bereiche vor zu großen Störungen und macht den Weg noch attraktiver“, bekundete die Projektleiterin.

Für den Naturschutz und die Landschaftspflege stellen die Erhaltung und der Schutz der Teuschnitz-Aue eine höchst dringliche Aufgabe dar. Eine Vielzahl gefährdeter Pflanzenarten, die in die Roten Listen der bedrohten Farn- und Blütenpflanzen aufgenommen wurden, ist auf den Berg- und Feuchtwiesen beheimatet. Bedroht wird dieser artenreiche Lebensraum durch Überdüngung, Umwandlung von Grünland in Ackerflächen und vor allem durch die Begründung von Fichtenmonokulturen.

Um die Besonderheit der Landschaft der Teuschnitz-Aue bei der ausgewiesenen Wanderung zu erklären, wurden am Wegesrand neun kleinen Markierungen mit Symbolen und QR-Codes installiert. Mit Hilfe des Begleitheftchens oder mit dem Smartphone können Spaziergänger an diesen Punkten interessante Erläuterungen zu Natur und Landschaft erfahren. „Wir wollen den Weg präsentieren und dabei seine Besonderheiten herausstellen“, erläuterte Singhartinger. Zudem möchte man aufzeigen, wie sich die Teuschnitz-Aue im Laufe der Zeit verändert hat und man gebe den Spaziergängern Hinweise, wie sie sich im dem Gebiet zu verhalten haben.

Bürgermeister Frank Jakob dankte allen Verantwortlichen für die Bewahrung dieses grünen Paradieses für zukünftige Generationen. Besonderer Dank galt seiner Vorgängerin im Amt, Gabriele Weber, dem Naturpark Frankenwald mit der Gebietsbetreuerin Beate Singhartinger wie auch den tüchtigen Bauhof-Mitarbeitern für deren tatkräftige Mithilfe bei der Überarbeitung und Neugestaltung des Weges.

Grünes Paradies vor der Haustüre
Mit auf „Wanderschaft“ durch das typische Frankenwaldtal begaben sich anschließend auch Bauhofleiter Georg Eidelloth, der ehemalige Geschäftsstellenleiter der Verwaltungsgemeinschaft Teuschnitz, Thomas Weber, Netzwerkmanager Andreas Bayer, Anja Wunder vom Naturpark Frankenwald sowie Janina Klug, Projektmanagerin des Braunkehlchen-Schutzprojekts vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV). Gemeinsam erfreuten sich diese bei der rund einstündigen Wanderung an der herrlichen Natur dieses so unberührt wirkenden Fleckchens Erde, die - auf engstem Raum - einen Rückzugsgebiet für viele vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten bietet. Hier findet man selten gewordene Vögel wie Braunkehlchen, Wiesenpieper und Bekassine. Von den mageren Wiesen profitieren vor allem aber auch Insekten wie der Lilagold-Feuerfalter, der Warzenbeißer und die Elfenbein-Spornzikade. Blumen wie Margeriten, Kartäusernelken oder Lichtnelken wachsen am Wegesrand als auch selten gewordene Kräuter und Heilpflanzen wie Bärwurz und Perücken-Flockenblumen sowie die auf den ersten Blick eher unspektakulär erscheinenden Kreuzblümchen, Blutwurz und Borstgras mit seinen charakteristischen harten und steifen Halmen. Insbesondere die als gefährdet eingestufte Arnika - Namensgeberin der Arnikastadt Teuschnitz - gedeiht auf den sauren, kalkarmen Magerwiesen. Während Versuche, die Arnika in anderen Teilen des Frankenwalds anzubauen, fehlgeschlagen sind, ist hier ein kontrollierter Anbau gelungen. Diese wird von Juni bis Juli mit ihrer intensiv leuchtend gelben Farbe das Auge der Betrachter erfreuen.

Begleitheftchen:
gibt es in der Stadt Teuschnitz, beim Frankenwald-Tourismus sowie am Startpunkt des Weges bei der Infotafel auf dem Wanderparkplatz. Führungen finden leider derzeit aufgrund der aktuellen Situation noch nicht statt.

Die Teuschnitz-Aue
- Quellgebiet des Teuschnitzbaches - im nördlichen Bereich des Naturparks Frankenwald ist Teil des bayerischen Arten- und Biotopschutzprogramms. Das circa 2.100 ha große Projektgebiet umfasst das Tal der Teuschnitz. Es stellt vom Quellbereich bis zur Einmündung in die Kremnitz einen naturschutzfachlichen hochwertigen Lebensraumkomplex dar. Das Gebiet gehört zu dem vor rund 300 Millionen Jahren entstandenen „Alten Gebirge“. Die Hochflächen liegen 605 bis 650 Meter über dem Meeresspiegel. Zahlreiche kleine Wasseraustritte machen das Gelände feucht und sumpfig. Für Ackerbau waren diese Bedingungen von je her kaum geeignet. Eine Nutzung als Wiesen war schon immer üblich. Das Heu wurde auf kleinen Parzellen von vielen verschiedenen Bauern geerntet. Über Jahrhunderte hinweg entstand ein kleinteiliges Mosaik aus mageren Wiesenflächen, die von Rainen und feuchten Krautsäumen durchzogen waren. Diese Vielfalt an Strukturen ermöglichte eine ebensolche Vielfalt an Pflanzen und Tieren. Jede Art fand eine Nische mit ausreichend Nahrung und Lebensraum.

Dies veränderte sich ab Mitte des letzten Jahrhunderts: Die Möglichkeiten einer modernen Landwirtschaft einerseits sowie das Brachfallen und Aufforsten von Fichten andererseits hatten Folgen. Überall, wo die Landschaft vereinheitlicht wird, geht Artenvielfalt verloren.

Die Wende gelang durch das 1989 gestartete ABSP-Pilotprojekt Teuschnitz-Aue, um die Landschaft nach Vorgaben des Arten- und Biotopschutzes zu pflegen und gestalten sowie die gewonnenen Erfahrungen auf andere Gebiete übertragen zu können. Seither wird den Landwirten mit öffentlichen Fördergeldern eine landwirtschaftliche Nutzung honoriert, die wieder zur Erhöhung der Strukturvielflat beiträgt: Grundstücke werden angekauft, Fichten gerodet, Äcker in Grünland rückgewandelt, auf chemischen Pflanzenschutz, mineralische Düngung und Gülle verzichtet, Wiesen wieder später gemäht … Diese Maßnahmen haben sich positiv ausgewirkt: Die Teuschnitz-Aue ist heute ein landesweit bedeutsames Gebiet für viele seltene Pflanzen und Tiere.