Zum Ende der Stadtrats-Sitzung ging es in Teuschnitz hoch her. Bürgermeisterin Gabriele Weber (CSU) ging noch einmal auf die letzte nichtöffentliche Sitzung vom 27. Januar ein, nachdem „einige Stadträte sich daran wohl nicht mehr zurückerinnern könnten“.

Im Fokus der damals zweistündigen Diskussion habe die Frage eines Ausstiegs oder Verbleibs von Haßlach und Rappoltengrün im Zweckverband gestanden. Die Bürger der beiden Stadtteile wünschten sich, so Weber, ein einheitliches Satzungsgebiet mit einer einheitlichen Wassergebühr. „Dies kann mit der derzeitigen Lösung nicht erzielt werden, sondern nur durch einen Austritt“, erklärte sie. Über Ablösesummen könnten aktuell noch keine Aussagen getroffen werden. Gerade auch, da bislang noch keine Gemeinde einen derartigen Schritt gegangen sei, handle es sich dabei um kein einfaches Unterfangen. Für die Ermittlung der Konditionen und Kosten benötige es Fachbüros. Haushalts- und gebührentechnisch könnte die Stadt eine angemessene Ablösesumme für die beiden Ortsnetze bewältigen; anstehende Investitionen in Haßlach über die RZWas-Förderung mitfinanziert werden.

Als Ergebnis der Diskussion lasse sich festhalten, dass der Stadtrat den Austritt aus dem Zweckverband grundsätzlich befürworte. Ein Beschluss erfolgte nicht. Die Bürgermeisterin solle ein klärendes Gespräch über den Austritt beziehungsweise die Investitionsumlage mit Landrat Klaus Löffler führen. Das Gespräch habe bis dato nicht stattgefunden, da Löffler zwei Gesprächstermine aufgrund eines Krankheitsfalls abgesagt hatte. Sie warte auf einen weiteren Termin.

„Der Stadtrat hat nach wie vor größte Bedenken zur Finanzpolitik der Frankenwaldgruppe“, betonte sie. Die Finanzierung sei gegenüber der letzten Stadtrats-Sitzung noch immer nicht klarer geworden. Bis jetzt liege kein Bewilligungsbescheid vor. Man befürchte, dass die jetzige Investitionsumlage von 6 Mio. Euro für das derzeitige Finanzierungsdefizit bei weiten nicht ausreiche. „Ein solch sensibles Thema in den Wahlkampf einzubringen, ist dem Bürger gegenüber unverzeihlich“, prangerte sie an, erst die offenen Punkte mit Ruhe und Bedacht abzuklären.

Dem schloss sich 2. Bürgermeister Stephanus Neubauer (CSU/FWG) an. Dieser erboste sich, wie bei der „Info“-Versammlung am Freitag, die ja eigentlich eine Wahlveranstaltung gewesen sei, seine Stadtratskollegen aus Haßlach als „Deppen“ hingestellt worden seien. Michael Hebentanz (FW) agiere einmal mehr mit ganz eigenen Zahlen, die er scheinbar einer Kugel entnehme. „Für belastbare Zahlen braucht es Fachbüros und keines Mitarbeiters des Wasserwirtschaftamts, der sich mit Schöndenkerei alles zurecht malt, wie er es möchte“, brauste er auf. Seine Stadtratskollegen dermaßen vorzuführen und die Haßlacher kurz vor den Wahlen derartig zu verunsichern, sei eine bodenlose Frechheit. „Kein Mensch zieht die Haßlacher über den Tisch“, stellte er klar.

Hebentanz wisse dabei wohl nichts mehr von seinen mit gefassten Beschlüssen - sprich des einstimmigen Widerspruchs gegen den Investitionsumlagebescheid im April 2019. Der Widerspruch habe, wie Hebentanz antwortete, insbesondere der Fristwahrung sowie Stärkung der Verhandlungsposition gedient und nicht zwangsläufig einem angedachten Austritt. Ein Raus mache derzeit kaum Sinn, da die Stadt keine 80-prozentige RSWas-Förderung bekomme. „Woher wollen Sie das wissen?“, fragte nun auch die Bürgermeisterin aufgebracht.

Derzeit gebe es, so Neubauer weiter, zwei Lager in Haßlach - pro und contra einen Verbleib in der FWG. „Der Stadtrat wird eine einvernehmliche Lösung gemeinsam mit den Bürgern erzielen - mit Ehrlichkeit und nicht mit Wunschdenken“, betonte er. Karin Bayer (SPD) und Susanne Daum (CSU/FWG) betonten, grundsätzlich den Austritt zu befürworten; es aber hierfür eben erst konkreter Zahlen bedürfe. „Es herrscht derzeit unglaublich viel Verwirrung und zwar in der ganzen Gemeinde, da ja auch die anderen Stadtteile - hinsichtlich der Entwicklung der Wasserpreise - von diesem Entschluss betroffen sind“, verdeutlichte Daum.

„Mit viel Gewaaf kann man viel kaputtmachen“, bedauerte abschließend die Bürgermeisterin. Sobald die Zahlen des Fachbüros vorliegen, werde darüber der neue Stadtrat entscheiden - ohne Effekthascherei und Rumgeschrei. hs