Die Angewohnheit, sich Dinge in das obere Riechorgan zu stecken (oder anderes aus diesem herauszuziehen), ist wohl so alt wie die Menschheit. Verbrieft ist, dass bereits Katharina von Medici um 1560 ihrem Sohn, der an Migräne litt, zerstossene Tabakblätter in die Nase gestopft haben soll. Das „Kraut der Königin“ reüssierte fortan in hochwohlgeborenen Nasen als „Clysterium nasi“ - und wenige Jahrzehnte später schnupfte die gesamte Alte Welt. Kein Wunder: Ein Engländer namens Lipton soll gesagt haben, dass Schnupfer ein besonders glücklicher Menschenschlag seien.

Die traditionsreichste Form des Tabakgenusses, früher als Privileg knorriger Hinterwäldler belächelt, ist heute jedenfalls wieder à la mode. Hunderte von Schnupfer-Clubs gibt es landauf, landab. Die „Wickendorfer Schnupfer“ existieren seit 1963. 52 Mitglieder - beiderlei Geschlechts - hat der Club aus dem Frankenwald; manche sind schon in der dritten Generation dabei. Geschnupft wird Schmalzler (früher mit Butterschmalz, heute mit Öl befeuchtet) und Snuff. Besonders beliebt: die „Wickendorfer Hausmischung“ aus dreierlei Kraut. Die Rezeptur ist Geheimsache. Ehrensache ist dagegen die von Robert Fischer handgeschnitzte Tabakdose aus Edelholz. Gemäss der Ortshistorie wird der Tabak entweder aus dem Podex eines hölzernen Ochsen (die Teuschnitzer haben sich in ihrer Geschichte als „Farrnaufhängä“ bzw. Ochsen-Aufhänger einen Namen gemacht) oder aus einem mit einer Pfeife ausgestatteten Karpfen, entsprechend dem Necknamen der Wickendorfer: „Karpfenpfoifer“. Beim Schnupfen geht es den Wickendorfern nicht darum, möglichst viel Tabak in das Cavum nasi einzufüllen, sondern um den Genuss, der sich durch das, zunächst mit Bedacht in die Daumenmulde gehäufelte und dann intranasal aufgebrachte Pulver, zu einem wohlig-frischen Ganzkörperphänomen ausweitet. Niesen und schnäuzen sind bei der geselligen Gaudi im Frankenwald ausdrücklich erlaubt.

Frankenmagazin Ausgabe 2/2020
Mit freundlicher Genehmigung