Im Rahmen einer Info-Versammlung wurde am Montagabend die Bürgergemeinschaft „Schwarzes Kreuz“ gegründet. Dabei wurden bereits 39 Anteile gezeichnet.

(von links) 2. Bürgermeister Stephanus Neubauer, Bürgermeisterin Gabriele Weber und 3. Bürgermeister Werner Neubauer zeichneten Anteile.

Ein Ort, an dem man gepflegt zu Mittag und Abend essen kann, nachmittags mal ein Stück leckeren Kuchen isst oder zum Abschluss des Tages ein kühles Bier trinkt; wo Gäste der Arnika Akademie übernachten und örtliche Vereine sich versammeln können: Das neue „Schwarze Kreuz“ mit Gastraum, Veranstaltungssaal, Übernachtungsmöglichkeiten, Info-Zentrum und gemütlichem Biergarten bietet vielfältige Nutzungsmöglichkeiten.

„Das Schwarze Kreuz soll ein Heimatwirtshaus werden“, wünschte sich Bürgermeisterin Gabriele Weber bei der Info-Versammlung im bis auf den letzten Platz belegten Café der Arnika Akademie. Die Gestaltung der Stadt und damit auch vom „Schwarzen Kreuz“ obliege nicht einigen Wenigen der Verwaltung, sondern der ganzen Bevölkerung. Dies gelte umso mehr, da in einem Fragebogen über die zukünftige Entwicklung von Teuschnitz 95 % der Einwohner eine Gastronomie als notwendig erachtet hätten. Aufgrund der Höchstförderung von 90 % könne man das 6-Millionen-Euro-Projekt mit einem überschaubaren Eigenanteil angehen. Die Finanzierung nütze aber nichts, ohne den vollumfänglichen Rückhalt der Bürgerschaft.

Über rechtliche Rahmenbedingungen der Bürgergemeinschaft informierte Fachberater Wolfgang Gröll. Interessierte können sich mit einer Mindesteinlage von 150 Euro oder auch mehreren - durch diese Summe teilbare - Anteilen einbringen, nach oben ohne Maximum. Es handelt sich dabei um Risikokapital, das, sollte das Projekt - so Gröll - „in die Hose“ gehen, verloren ist. Die Haftung ist jedoch nur auf die Einlage begrenzt. Die Mindestlaufzeit beträgt zwölf Jahre. Die Überschuss-Beteiligung könnte über Wertgutscheine oder Gemeinschaftsessen erfolgen. Die Abbuchung erfolgt erst, wenn die Bürgergemeinschaft tatsächlich zustande kommt und gegründet wurde. Realistisch ist dies - in Abhängigkeit vom Pächter - im Zeitraum drittes Quartal 2020. Das eingezahlte Geld wird für den Betriebsstart verwendet. Wichtigste Ausgaben sind Investitionen in die Inneneinrichtung. Das Stimmrecht erfolgt nach Personen und nicht Kapitaleinlage; jeder hat nur eine Stimme. Die Rechtsform ist - nach dem genossenschaftlichem Prinzip - eine Bürgergemeinschaft auf Basis einer Unternehmer-Gesellschaft (haftungsbeschränkt) & Still (UG & Still). Vertreten werden die Gesellschafter durch einen von ihnen gewählten Gesellschafter-Rat mit drei Personen. Die Wahl erfolgt, sobald 100 Teilnehmer erreicht sind.

Der verantwortliche Architekt Prof. Markus Schlempp informierte über den Umbau und die Erweiterung des „Schwarzens Kreuz“ mit einer Gaststätte mit moderner Küche, elf Gästezimmer für bis zu 20 Übernachtungsgäste und einen Saal für Veranstaltungen bis zu 70 Personen. Hinzu kommt das Arnika-Infozentrum im Nachbargebäude, in dem Erzeugnisse der Arnika Akademie sowie aus der Region erhältlich sein werden. Dies soll zugleich auch zentraler Anlaufpunkt für Gäste/Besucher sein. In einem späteren Bauabschnitt werden die rückwärtigen Scheunen zu Ferienwohnungen und Parkscheunen um- oder neugebaut. Alle Gebäude rahmen einen neuen - öffentlich zugänglichen - Innenhof, der auch als Biergarten genutzt werden kann.

„Das „Schwarze Kreuz“ soll sich harmonisch in die historische Innenstadt einfügen“, betonte der Architekt. Zur Ausführung sollen regionstypische Materialien kommen: Holzfenster für die Häuser, Naturschiefer für die Dachflächen, hellgrauer oder beiger Kalkputz für die Mauerwerksflächen, eine Verschalung der Holzbauteile mit naturbelassenem Holz sowie einfache, aber edel verarbeitete Materialien für die Innenräume, insbesondere unter Einsatz von Holz. In der Gaststätte soll eine Wandvertäfelung Behaglichkeit ausstrahlen. Größter Wert wird auf eine hohe Flexibilität und öffentliche Zugänglichkeit gelegt. So können beispielsweise Saal und Biergarten unabhängig von der Gastronomie beziehungsweise Anwesenheit des Pächters genutzt werden. „Bei alledem ist die Beteiligung der Bevölkerung ausdrücklich gewünscht“, betonte er. Die Farb- und Materialauswahl sei daher Thema der öffentlichen Fraktionssitzung am Mittwoch. „Es soll ein Ort entstehen, wo sich die Leute gerne treffen und zusammenkommen“, wünschte er sich und nannte in diesem Zusammenhang Paradebeispiele erfolgreich laufender Gastronomie-Bürgergemeinschaften. „Wenn Sie sich darauf einlassen, wird das „Schwarze Kreuz“ ein Geschenk für Teuschnitz“, zeigte er sich sicher.

2. Bürgermeister Stephanus Neubauer fragte, ob man Anteile verschenken könne. Dies sei - so Gröll - möglich. Am einfachsten sei es, wenn der Schenker den Anteil auf seinen eigenen Name zeichne und dann übertrage. Franz Tautz erkundigte sich nach der erfoderlichen Anzahl gezeichneter Anteile beziehungweise Höhe der Geldeinlage. Laut Gröll strebe man zunächst eine Anzahl von 100 bis 150 Haushalten an. Dabei gehe es aber in erster Linie um den gesellschaftlichen Rückhalt. Aufgrund der hohen Förderung habe man keinen Kapitaldruck, sodass gezeichnete Anteile zwischen 20.000 Euro und 40.00 Euro ausreichten. Auf verschiedene Nachfragen versicherte der Fachberater, dass das Vermögen - beispielsweise bei Insolvenz des Pächters - im Eigentum der Gesellschaft bleibe und nicht in die Insolvenzmasse einfließe.

Gröll oblag auch die Leitung der anschließenden offiziellen Gründungsversammlung bei 64 anwesenden Stimmen. Die Interessierten konnten ihren Zeichnungsantrag mit nach Hause nehmen, um ihn später in der Stadt abzugeben. 39 Gründungsmitglieder unterzeichneten diesen an Ort und Stelle. Alle erforderlichen Beschlüsse über Sitz und Name, Zweck und Gegenstand der Gesellschaft sowie deren Inhalte erfolgten einstimmig per Akklamation.

Die Bürgermeisterin dankte abschließend allen Antragszeichnern. Anträge gibt es in der Stadt, sollen aber demnächst auch als Download über die Stadt-Homepage zur Verfügung stehen.

Termin: Am heutigen Mittwoch, 30. Oktober 2019 findet um 19.00 Uhr in der Arnika Akademie eine öffentliche, gemeinsame Fraktionssitzung statt. Thema ist die Farb- und Materialauswahl für das „Schwarze Kreuz“. Die Architekten, Prof. Markus Schlempp und Florian Kirfel, sind anwesend.